Digitale Hausführung

Unsere Hausführung jetzt auch digital

Im Moment bestimmt das Corona-Virus das tägliche Leben. Doch ungewöhnliche Situationen verlangen nach kreativen Lösungen. Während es bis vor kurzem noch möglich war, das Medienhaus DuMont persönlich zu besuchen und einen exklusiven Blick hinter die Kulissen von Redaktion und Druckerei zu werfen, bleibt derzeit nur der digitale Ausflug in das außergewöhnliche Glashaus. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Und so würde sich das Forum Blau sehr freuen, Sie nach der überstandenen Corona-Krise wieder persönlich zu einer Hausführung begrüßen zu können.

Natürlich sind der beeindruckende Newsroom und die gewaltigen Druckmaschinen live wesentlich reizvoller.

Aber hier können Sie sich wöchentlich schon mal einen kleinen Einblick verschaffen wie Ihre Tageszeitung entsteht und sich auf einen zukünftigen Besuch einstimmen. Sie erfahren, wie der Kölner Stadt-Anzeiger zu seinem Namen kam, welche spannenden Produkte noch im Medienhaus DuMont hergestellt werden, wie Meldungen aus aller Welt in Ihre Tageszeitung kommen und wie eine gedruckte Zeitung entsteht.

Teil 1 der Hausführung: Die Geschichte des Medienhauses

Die Wurzeln des Medienunternehmens DuMont gehen weit bis ins 17. Jahrhundert zurück auf die Druckerei Schauberg, die 1802 die „Kölnische Zeitung“ erwarb. 1805 heiratet Marcus DuMont Katharina Schauberg, kauft die „Kölnische Zeitung“ mit der Druckerei und gründet das Verlagshaus M. DuMont Schauberg (MDS). 1847 zieht der Verlag in die Breite Straße. Hier erscheint 1876 erstmals in der „Kölnischen Zeitung“ eine Anzeigenbeilage für die Stadt Köln: Der „Kölner Stadtanzeiger“. Nach nur vier Jahren mausert sich die Beilage zur selbstständigen Zeitung. 1998 wird der Firmensitz nach Köln Niehl verlegt. Der Zeitungsverlag hat sich durch den digitalen Wandel zu einem Medienhaus weiterentwickelt. 2015 wird aus MDS die DuMont Mediengruppe, die nach über 200 Jahren immer noch familiengeführt ist. Herausgeber sind heute Isabella Neven DuMont und Christian DuMont Schütte.

Teil 2 der Hausführung: Die starken Marken von DuMont

Der Verlag DuMont gehört zu den führenden deutschen Zeitungshäusern, der sich in den letzten Jahren zu einem Medienhaus weiterentwickelt hat. Hier erscheinen nicht nur täglich die regionalen Abo-Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau und die Boulevardzeitung Express, sondern regionale Anzeigenblätter wie der Kölner Wochenspiegel, Magazine wie die Kölner Illustrierte und die Kinderzeitung Duda, die junge Leser mit Nachrichten aus der Region und aus aller Welt kindgerecht auf dem Laufenden hält. Basteltipps, kinderleichte Kochrezepte, Infos über Sport, Musik und Bücher runden das Konzept ab. Neben den klassischen Zeitungstiteln sind digitale Plattformen wie „YouStart.de“ ein wichtiger Bestandteil der Zukunftsstrategie. Und die sieben lokalen Hörfunksender wie Radio Köln sorgen dafür, dass Sie das Neuste nicht nur lesen, sondern auch hören können.

Teil 3 der Hausführung: Newsroom – die redaktionelle Schaltzentrale

Tag für Tag sorgen Kölner Stadt-Anzeiger, Express und die Kölnische Rundschau für seriöse und zuverlässige Berichterstattung. Ihre Leser erfahren nicht nur, was in ihrer Stadt und in ihrer Region passiert, sondern werden natürlich auch über das weltweite Geschehen auf dem Laufenden gehalten. Mehr als 1,4 Millionen Menschen erreichen unsere regionalen Zeitungen täglich.

Und für brandaktuelle Informationen fast rund um die Uhr sorgt die redaktionelle Schaltzentrale - der Newsroom von Kölner Stadt-Anzeiger und Express. Hier werden mit modernster Technik die gesammelten neusten Nachrichten blitzschnell und fundiert recherchiert, gut formuliert und den Lesern von Tageszeitung, sozialen Medien und Online-Nachrichtenportale von Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnischer Rundschau und Express zur Verfügung gestellt.

Teil 4 der Hausführung: Von der Nachricht zur gedruckten Zeitung - Plattenherstellung

Vier Druckplatten für eine Zeitungsseite. Bevor die beiden riesigen Druckmaschinen im Medienhaus DuMont täglich Nachrichten auf Zeitungspapier drucken können, müssen erst einmal Druckplatten hergestellt werden. Die Druckplatten bestehen aus Aluminium und sind mit einer lichtempfindlichen Beschichtung versehen. Per Laserstrahl werden Texte und Bilder übertragen. Das Laserlicht härtet die Beschichtung aus. An diesen Stellen haften beim Druck dann die Farben – zum Beispiel Schwarz für die Schrift. Für jede farbige Zeitungsseite werden vier Druckplatten in den Farben Cyan (blau), Magenta (rot), Yellow (gelb) und Schwarz hergestellt. Für den Druck von Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau und Express werden täglich insgesamt rund 4500 Platten benötigt. Die Druckmaschinen im Medienhaus DuMont arbeiten im Offsetdruckverfahren. Bei diesem indirekten Verfahren kommen Platten und Papier nicht miteinander in Kontakt. Die Farbe wird erst auf einen Gummituchzylinder und dann aufs Papier übertragen.

Interview mit Jürgen Müller, Leiter der Produktionstechnick DuMont Druckzentrum

Der Druck der Kölnischen Rundschau findet am späten Abend und in der Nacht statt. Trotzdem ist das Druckzentrum auch am Tag nicht verwaist. Wie sind Sie organisiert, um einen reibungslosen Druckprozess ermöglichen zu können? Wie viele Mitarbeiter arbeiten zu welchen Zeiten? Welche Aufgaben fallen zu den unterschiedlichen Tageszeiten an?

Müller: In der sogenannten Tagesproduktion werden die sogenannten Vorprodukte, wie z.B. das Tagesmagazin oder Stadtteilseiten gefertigt, die später in der Nacht in den aktuellen Stadt-Anzeiger zusammen mit Prospekten eingelegt werden. Darüber produziert das Druckzentrum weitere Produkte wie Anzeigenblätter (z.B. Kölner Wochenspiegel) und Fremdaufträge (z.B. Prospekt-Beilagen) die in der Tagesproduktion gefertigt werden, um die Druckmaschinen auszulasten.

All diese Produktionen müssen geplant und vorbereitet werden. Hierfür sind Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung und Personalplanung tätig. Auch der stete Nachschub an Papier und Farbe wird tagsüber angeliefert und für die nächtliche Produktion vorbereitet.

Wartungs- und Reparaturarbeiten werden vornehmlich in produktionsfreier Zeit am Tag von den Mitarbeitern der Wartung und Betriebstechnik erledigt.

Die Anzahl der eingesetzten Mitarbeiter hängt auch stark von den Produktionen ab und ist somit tagesaktuell. In einer normalen Hauptproduktion sind nachts knapp 50 Mitarbeiter im Druckzentrum tätig. Diese Zahl erhöht sich, sobald Prospektbeilagen hinzukommen, die manuell angelegt werden müssen, entsprechend der Anzahl der Prospekte.

 

Auch wenn der Produktionsprozess einer stetigen Qualitätsüberprüfung unterliegt, kann es immer mal wieder zu Problemen kommen. Was sind die größten Probleme oder Schwierigkeiten, die auftreten können und was tun Sie, um diese abzustellen?

Müller: Einige der größten Probleme im Druckprozess resultieren aus dem Zusammenspiel von Papier, Wasser und Farbe.

Das für den Zeitungsdruck verwendete Papier besteht zu 100 % aus Altpapier, was sich auf die Reißfestigkeit auswirkt und Qualitätsschwankungen mit sich bringt. In der Folge kommt es zu Bahnrissen, die normalerweise direkte Verzögerungen bedeuten, sowie Abrieb/Papierstaub, der das Druckbild negativ beeinflusst.

Das Zusammenspiel von Wasser und Farbe im Offsetdruck muss permanent kontrolliert und korrigiert werden. Selbst kleine Schwankungen können bereits ein nicht mehr vertretbares Druckergebnis zur Folge haben. Zwar kann der Drucker fehlerhafte Exemplare unmittelbar ausschleusen, durch die hohe Produktionsgeschwindigkeit kann es in Einzelfällen leider trotzdem vorkommen, dass „schlechte“ Exemplare zum Kunden gelangen.

Auch in der Weiterverarbeitung nach dem Druck kann die Papierqualität für Probleme sorgen. Instabile dünne Produkte lassen sich schlecht maschinell verarbeiten, was für den Kunden insbesondere durch Fehlbelegungen (einzelne Zeitungsbestandteile fehlen) spürbar sein kann.

Wir sind in stetigem Austausch mit unseren Farb- und Papier-Lieferanten und testen neue Materialien, um diesen Problemen begegnen zu können.

 

Welche Schritte erfolgen, nachdem der Redakteur eine Zeitung zum Druck freigegeben hat?

Müller: Sobald eine Seite von der Redaktion freigegeben wurde, werden über die Vorstufen-Systeme digitale Druckplatten erstellt, die in die Plattenherstellung des Druckzentrums übertragen werden. Eine Seite besteht immer aus vier Druckplatten, den Grundfarben des Offset-Drucks: Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz.  Diese digitalen Druckplatten werden dann mit Hilfe von Laser-Belichtern auf beschichtete Aluminium-Druckplatten belichtet. Das passiert alles weitgehend automatisch.

Die Druckplatten werden danach manuell vom Drucker an die korrekte Position auf den Druckzylindern der Rotationsmaschine eingespannt („geschlossen“). Sobald alle benötigten Druckplatten „geschlossen“ sind, kann der Druckprozess beginnen.

Der Stadt-Anzeiger gelangt fertig geschnitten und gefalzt aus der Druckmaschine über ein Transportband in die Weiterverarbeitung. Hier werden noch die Vorprodukte und Prospektbeilagen maschinell eingesteckt.

Die fertig komplettierten Zeitungen werden in Paketen zusammengepackt und mit Adress-Auflegern versehen in einer vorgesehenen Reihenfolge an den Vertrieb übergeben, der sie dann an fest definierten Ablagestellen für die Zusteller bereitstellt.

Teil 5 der Hausführung: Von der Nachricht zur gedruckten Zeitung - Papier

Um Tageszeitungen, Anzeigenblätter und Zeitungsbeilagen Tag für Tag zu produzieren, sind große Mengen Papier nötig. So werden im Druckzentrum von DuMont pro Jahr fast 40 000 Tonnen Papier bedruckt. Ausgerollt wäre das eine Papierbahn von rund 800 000 Kilometern Länge. Das Zeitungspapier kommt in großen Rollen in unterschiedlicher Breite an der Amsterdamer Straße an. Die Breite variiert zwischen einer und sechs Zeitungsseiten. Diese Rollen wiegen bis zu drei Tonnen – also etwa so viel wie drei Autos. Ausgerollt wäre die Papierbahn einer Rolle etwa 20 Kilometer lang. Damit das Zeitungspapier gut bedruckt werden kann, muss es optimal gelagert werden. Das bedeutet, dass im Lager konstant eine Temperatur von etwa 22 Grad herrscht und Luftfeuchtigkeit 50 Prozent beträgt. Wichtig: Zeitungspapier wird ganz umweltfreundlich zu einem großen Teil aus recyceltem Altpapier hergestellt.

Teil 6 der Hausführung: Über 80 000 Zeitungen pro Stunde

Rund 450 000 Zeitungen werden Nacht für Nacht im DuMont-Druckzentrum an der Amsterdamer Straße gedruckt. Für den Druck der großen Anzahl Zeitungen bleiben nur wenige Stunden, denn Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau und Express müssen früh und pünktlich in den Briefkästen der Abonnenten und an den Verkaufsstellen eintreffen. Damit das gelingt „arbeiten“ zwei Druckmaschinen im Druckzentrum: Die über 20 Jahre alte KöBau 3 und die etwa zehn Jahre alte Cortina. Gegen die 72 Meter lange KöBau 3 wirkt die Cortina mit ca. 30 Metern Länge regelrecht klein. Aber die Kleine hat es in sich. Sie kann rund 80 000 Zeitungen in der Stunde drucken. Besonders faszinierend ist es, die beiden Druckmaschinen in Aktion zu erleben. In rasanter Geschwindigkeit von elf Metern pro Sekunde rasen die Papierbahnen über die Walzen der Druckmaschinen.

Teil 7 der Hausführung: Weiterverarbeitung - Hier gibt es Zugaben

Wer morgens seine Zeitung aus dem Briefkasten nimmt, stellt fest, dass er nicht nur bis zu 48 Seiten Nachrichten in der Hand hält. Denn in der Zeitung stecken immer noch Zugaben:

Beim Kölner Stadt-Anzeiger und der Kölnischen Rundschau zum Beispiel das Magazin, Anzeigenteile, die Programmzeitung Prisma, Prospekte. Diese Beilagen werden in der Weiterverarbeitung beigepackt. Die frisch gedruckte Zeitung gelangt aus der Rotation über ein sechs Kilometer langes Kettenlabyrinth in die Halle der Weiterverarbeitung. Dort wird sie in einer Einsteckmaschine mit Anzeigenteilen, Magazin, Prospekten etc. befüllt. Pro Stunde können in der Weiterverarbeitung 40.000 Zeitungen bestückt werden. Wenn die Zeitung komplett ist, wandert sie zur Paketbildung.

Hier werden aus bis zu 50 Zeitungen folienverpackte Pakete. Jedes Paket bekommt ein Deckblatt, auf dem wichtige Informationen wie Anzahl, Zielort, Neu- Ab- und Umbestellungen vermerkt sind.

Teil 8 der Hausführung: Zustellung - für Leser bei jedem Wetter unterwegs

Rund 300 Speditionsfahrzeuge fahren nachts vom DuMont Druckzentrum los, um Zeitungspakete zu den 3600 Ablagestellen zu bringen. Dort nehmen die Zusteller den Kölner Stadt-Anzeiger, die Kölnische Rundschau und Express entgegen. Die ca. 2600 Zusteller lassen sich weder von Wind, Regen, Schnee oder Glatteis aufhalten und geben alles, damit „ihre“ Leser bis 6.30 Uhr die bestellte Zeitung im Briefkasten haben. Aber nicht nur die Abonnenten möchten mit Zeitungen versorgt werden. Auch Kioske, Tankstellen, Geschäfte, Verkaufskästen müssen mit Zeitungen beliefert werden, damit sie dort gekauft werden können. Während Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau zu 90 Prozent abonniert werden, wird der Express hauptsächlich im Handel oder über Verkaufskästen erworben.

Kurzinterview mit einem Zusteller

 

Seit wie vielen Jahren arbeiten Sie als Zusteller?

Zusteller: Ich arbeite seit 13 Jahren als Zeitungszusteller

 

Um wie viel Uhr stehen Sie nachts auf? Und wie lange dauert die Zustellung aller Zeitungen?

Zusteller: Ich stehe gegen 3:00. Das austragen der Zeitungen dauert dann ca. 2:40. Manchmal auch etwas mehr, z.B. dann wenn mehrere Zeitschriften oder die Wochenendstücke mit dabei sind.

 

Was erlebt man, wenn man nachts durch die Straßen geht und Zeitungen zustellt?

Zusteller: Ich war vor einigen Jahren nachts unterwegs und hörte jemanden um Hilfe rufen. Als ich näher kam, lag ein Mann vor einer Haustüre und hatte versucht die Bewohner durch klingeln zu wecken. Diese hatten aus Angst aber nicht aufgemacht. Ich holte mein Handy und rief den Notruf. Das hatte aber auch schon die Bewohnerin des Hauses gemacht. Ich blieb bei dem Mann, bis einige Minuten später der RTW eintraf und den Mann übernahm. Was er hatte, habe ich leider nie erfahren. 

 

Gab es jemals Situationen, in denen Sie nicht in der Lage waren, die Zeitung ordnungsgemäß zuzustellen (Krankheiten und Urlaub ausgenommen)?

Zusteller: eigentlich nicht, aber es gibt Situationen, in denen die Zustellung schon sehr erschwert wird. Z.B bei Straßensperrungen oder Baustellen, immer in Neubaugebieten, da hier so gut wie nie Licht vorhanden ist, die Kunden aber trotzdem schon beliefert werden wollen, die Straßen aber nur unbefestigte Wege mit Löchern sind.